„Jetzt ruf' ich erst 'mal bei Mama an.” Edgar Heimes, genannt Johnny,
ist völlig aus dem Häuschen. Gerade ist seine Freundin Christiane
Kotthoff aus Meschede-Vellinghausen „Miss Bullenball 2009” geworden.
Mit Bravour hat sich die 21-jährige Agrarstudentin Samstagnacht beim
Bullenball der Landjugend gegen ihre Konkurrentinnen Svenja Thannhäuser
(18) und Janina Christiani (21) durchgesetzt. Mit einem Start-Ziel-Sieg
legt die blonde junge Frau aus Vellinghausen neue Maßstäbe vor.
Mega-Fete in der Halle Münsterland Knapp 4000 Jugendliche strömen Jahr für Jahr in die Halle Münsterland,
um beim Bullenball eine Mega-Fete zu feiern. Was vor hundert Jahren mit
einem kleinen Bier-Umtrunk nach dem Verkauf der gekörten Zuchtbullen
als Bauern-interne Kontaktbörse begann, ist zu einem Party-Event der
Superklasse angewachsen. Ob Münsterland, Sauerland, Emsland oder
Bergisches Land - wer von der Landjugend etwas auf sich hält, ist beim
Bullenball vertreten. Voller Stolz und Selbstbewusstsein rockt die
Landjugend die Westfalen-Metropole. Und die Miss Bullenball setzt allen
die Krone auf.
Blitzlichtgewitter
Das wissen auch die Pressevertreter. Fernsehkameras surren,
Fotoapparate klicken und das Aufnahme-Gerät von 1Live läuft. Svenja
Thannhäuser, Janina Christiani und Christiane Kotthoff stehen im Fokus
des Blitzlichtgewitters. Denn gleich geht es an den Start. Die jungen
Frauen müssen unter Beweis stellen, wie schnell sie mit einem
elektronischen Kart über eine virtuelle Rennbahn düsen können.
Christiane Kotthoff wartet gelassen auf ihren Einsatz. „Ihre Jungs”
sind bereits vorher Probe gefahren, haben die Tücken der Bahn
ausgelotet und ihre Kandidatin bestens vorbereitet. Der Erfolg gibt den
Vellinghausenern Recht. Mit einer Rundenzeit von 49 Sekunden hängt
Christiane ihre Kolleginnen souverän ab.
Der Jubel ist groß. Besondere Freude bricht bei Markus Schulte aus. Er
hat das Rennen mit nacktem Oberkörper verfolgt. Auf seinem
Waschbrettbauch prangen fünf Buchstaben: C h r i s.
Bullenreiten
Miss Bullenball 2009, Christiane Kotthoff aus Meschede-Völlinghausen. Foto: Volker Dörken
Jetzt geht's zum Bullenreiten. Rauf auf den Rücken des mechanischen
Hornviehs, und die Post geht ab. Der Bulle, rüttelt, wackelt, kreist,
bockt und stoppt. Nach sechs Parforce-Ritten haut es Christiane auf die
Matte. 5,3 Sekunden widersteht die Springreiterin den halsstarrigen
Widerwärtigkeiten. Janina und Svenja lassen die Zügel wesentlich früher
fahren. Die Vellinghauserin hat zum zweiten Mal gepunktet.
Die dritte Hürde: Die schon brodelnde Halle zum Kochen zu bringen. 3000
Landjugendliche wollen animiert werden. Es wird schwer. Denn alle drei
Kandidatinnen haben auf den Fetenhit „Das geht ab” von der Band
„Frauenarzt” gesetzt. Svenja singt leider schief. Ihre Animation geht
fast in den Keller. Janina legt nach. Ihr Auftritt ist selbstbewusster.
Das Publikum kommt in Rage. Christiane blickt skeptisch: „Ich bin
tierisch nervös. Meine Hände zittern.”
Die Halle tobt
Dann der große Auftritt. Christiane hat eine CD mitgebracht, die ihre
Schwester Beate gebrannt hat. Und die hat drei Lieder: „Sauerland” von
„Zoff” knallt aus den Boxen. Die Halle tobt. Die Fans aus
Vellinghausen, die mit Bussen und Pkw angereist sind, rasten aus. Ein
Banner der Landjugend Altkreis Meschede schnellt hoch „Christiane -
tierisch gut”. Christiane singt, springt, gibt alles. „Das rote Pferd”
folgt dem „Sauerland”, der Takt wechselt. Die Stimmung nicht. Dann „Das
geht ab”. Der Applausometer, der die Lautstärke misst, hat seine
Grenzen erreicht. Es steht fest, Christiane hat den Hattrick geschafft:
Drei mal der erste Platz.
Ricarda Hegemann, Miss Bullenball 2008, überreicht ihrer Nachfolgerin
Christiane Kotthoff die Schärpe. Ein Krönchen für die Königin aus dem
Sauerland. Bis vier Uhr feiert die Siegerin mit ihren Fans, dann geht
es zurück auf den elterlichen Hof. Hier wartet nach dem nächtlichen
Telefon-Gespräch zwischen Johnny und Mama die nächste Überraschung. In
der Tenne steht um sechs Uhr in der Früh für alle Mitgereisten ein
großes Eieressen an. Birgit und Wilhelm Kotthoff sind stolz auf ihre
Tochter: „Wir freuen uns saumäßig.”